Freitagabend die letzte Buchung im Altsystem, Montagmorgen arbeitet das Team im neuen: Der Cut-Over ist der Moment, in dem sich die gesamte Vorbereitung eines ERP-Wechsels auszahlt oder rächt. Ruhig verläuft er nur, wenn Improvisation nicht vorkommen muss.
Dafür sorgt ein festes Gerüst: Runbook, Generalprobe, Wochenend-Migration, Nachlauf.
Runbook und Generalprobe
Das Runbook legt jeden Schritt vorab fest: wer welche Aktion zu welcher Uhrzeit ausführt, welche Validierung danach läuft, wer informiert wird und was der Eskalationspfad ist. Auch der Rollback-Pfad wird geplant, selbst wenn niemand ihn ziehen will; allein das Wissen, dass es ihn gibt, macht die Entscheidungen am Wochenende leichter. Die Generalprobe ist ein vollständiger Probelauf gegen Echtdaten; ihre Findings fließen zurück in Mapping und Validierung, bevor der echte Termin steht.
Das Wochenende und der Nachlauf
Freitagabend Logout und Daten-Export, danach laufen Konvertierung und Validierung gegen die vorab definierten Abnahme-Kriterien, Montagmorgen sind die Logins frei. Mit dem Go-Live ist die Arbeit nicht vorbei: Im Nachlauf werden Bestände abgeglichen, die ersten Wochen überwacht und die Altsysteme mit definierter Frist stillgelegt. Dass dieses Vorgehen trägt, zeigt eine M&A-Integration: ein Beratungsunternehmen mit 80 Mitarbeitern, migriert in eine Konzernlandschaft an einem einzigen Wochenende: Montag früh lief der Geschäftsbetrieb normal weiter, kein Rollback nötig. Das vollständige Vorgehen habe ich im Artikel zum M&A-Cut-Over beschrieben.
Festpreis oder Time-and-Material
Ein Cut-Over zum Festpreis ist möglich, wenn der Scope klar abgrenzbar ist. Voraussetzung sind eine belastbare Discovery, ein dokumentierter Scope und eine definierte Acceptance-Liste. Fehlt diese Vorab-Klarheit, ist Time-and-Material die ehrlichere Abrechnungsform; ein Festpreis ohne Befund verschiebt das Risiko nur in den Nachtrag.